Geschichte

Geschichte des Stader Schachvereins



70 Jahre Stader Schachverein (Ein Auszug aus dem Stader Schachecho 2003 NR.36 zum 70-jährigen Jubiläum)

Unter dem Vorsitz des damaligen Schriftliters des Stader Tageblattes wurde im Dezember 1933 der Stader Schachverein gegründet, der in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert. Zuerst war es ein reiner Freizeitclub, der keine regelmäßigen Mannschaftskämpfe gegen andere Vereine austrug.

Bei einer wechselvollen Vereinsgeschichte begann nach dem 2. Weltkrieg eine Neubelebung des Schachbetriebs, als sich 1958 die Schachabteilung des Athenaeums dem Verein anschloss und dieser dem Schachbezirk (damals noch „Elbe-Aller") beitrat. Fortan entwickelte sich ein reger Spielbetrieb mit anfänglich 2 Mannschaften, die natürlich erst in der Kreisklasse beginnen mussten, aber schon bald aufstiegen. Unsere 1. Herrenmannschaft spielte zeitweise sogar in der Regionalliga (damals Oberliga) und unsere 1. Jugendmannschaft pendelte oftmals zwischen

Niedersachenliga und Jugendbundesliga hin und her, da einige gute Spieler dann aus Altersgründen immer wieder ausschieden, studierten oder ganz fortzogen.

Heute sind im Verein 5 Mannschaften und eine Jugendmannschaft, die in der Niedersachsenliga spielt. Jugendarbeit wird bei uns stets ganz groß geschrieben und unser jährlicher Jugendetat beträgt mit Übungsleiter- und Trainingsgebühren etwa 2000-3000 €. Unter Anleitung erfahrener Schachlehrer wie Andreas Hauschild, Erich Scholvin, Tilmann Humburg, Heinrich Eggeling, unserem Jugendwart Marcus Hamann sowie mehreren älteren Jugendlichen bieten wir im Verein ein vielfältiges
Trainingsangebot an. Vereinsschach und Schulschach haben eine große Schnittmenge und ergänzen sich dabei oftmals.

Unserer ersten Kontakte knüpfen wir bereits in mehreren Grundschulen des Landkreises Stade, mit denen wir gut zusammenarbeiten. Auch an verschiedenen Orientierungsstufen, Realschulen und besonders am Athenaeum Stade haben fast jedes Jahr Mannschaften in ihrer Altersklasse vordere Plätze auf Landes- oder gar auf Bundesebene erkämpft. Besondere Höhepunkte sind es dann, wenn eine Vierermannschaft des Athenaeums in der U16 z.B. im Jahr 2001 im deutschen Jugendschachverband den 1. Platz auf Bundesebene erringen kann.

Alle diese Leistungen erfordern neben einem regelmäßigen Training den Besuch vieler Turniere im Raum Cuxhaven –Hamburg –Uelzen –Rotenburg, eine gute Koordination und immer wieder die Mithilfe von Eltern, die uns hierbei unterstützten. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal bei vielen engagierten Helfern bedanken. Mehr darüber ist in unserer Schachzeitung „Stader Schachecho“
nachzulesen, die als kostenlose Vereinszeitung zweimal im Jahr für alle interessierten Vereinsmitglieder erscheint.

Bei unseren jährlichen Vereinsmeisterschaften oder unserem Vereinspokalturnier, DWZ- und Jugendturnieren beziehen wir dabei alle Interessierten mit ein, die an der Schwelle unseres Vereins stehen und gern einmal mitspielen wollen. Auch bei unseren monatlichen Blitzturnieren am letzten Vereinsabend in jedem Monat sind Gäste stets herzlich willkommen. Neben einer offenen Stadtmeisterschaft mit über 50 Jugendlichen Teilnehmern im Februar dieses Jahres planen wir in diesem Sommer anlässlich unseres 70-jährigen Bestehens zusätzlich noch eine Repräsentationsveranstaltung in der Innenstadt Stades.

Wir haben neben der Kooperationen mit mehreren Schulen im Landkreis Stade in diesem Jahr zum ersten Mal Kontakte mit einer Gruppe begabter Kinder geknüpft. Der Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, seine talentierten Kinder auf vielfältige Weise noch extra zu fördern, war an 4 Samstagen in diesem Jahr mit 12-14 Kindern bei uns zu Gast, um den Schachsport in einem intensiven Schnupperkurs näher kennen zu lernen. Allen Beteiligten hat es großen Spaß gemacht.

Kommen Sie doch auch einmal ganz unverbindlich vorbei – Gäste sind stets willkommen.

H. Eggeling






60 Jahre Stader Schachverein (Verfasst von Kurt Brunk fürs Stader Schachecho NR.15,1993)

60 Jahre - verglichen mit einem Menschenalter - sind ganz schön viel. Ein Hund wird zum Beispiel nicht so alt, denn ein Hundejahr gilt für sieben Menschenjahre; und 420 Jahre - wieder vom Hund auf den Menschen gekommen - möchten wohl nur ganz Naive werden. Wie viel gilt aber ein Vereinsjahr?

Die Existenzspannen der Vereine sind sehr verschieden und widersetzen sich einem Maßstab. Allerdings durchläuft ein Verein Entwicklungsphasen, die durchaus mit dem menschlichen Leben vergleichbar sind. Die ersten zwölf Jahre (1933 - 1945) des Stader Schachvereins drängen den Vergleich mit einer Kindheit geradezu auf: Da werden brav und artig Anwesenheitslisten geführt, man liest den kindlichen Stolz zwischen den Zeilen der Chronik, wenn sie in "Das-können-wir-auch-schon"-Haltung über Simultankämpfe gegen Großmeister berichtet. Mit unbekümmerter Direktheit wird Herrn ... zugeschoben, dass er das Turnier wegen seines "ungewissen Verhaltens" nicht weitergehen kann.

Natürlich hat das auch an der autoritär-orientierten Gesellschaft gelegen. Auch die folgenden zwölf Jugendjahre (1945 - 1957) mag man teilweise den neuen gesellschaftlichen Umständen zuschreiben: Frei und unbekümmert wird das Nächstliegende ausprobiert, genossen und nicht immer weiter verfolgt. Der Stader Schachverein spielt sporadisch gegen Vereine der näheren Umgebung, und es ist so viel zu entdecken, dass Sprunghaftigkeit keinen Mangel bedeutet. Wilhelm Adrian leitet den Verein in dieser Phase (und noch drei Jahre länger). Er ist Musiklehrer am Athenaeum und öffnet den Verein den jugendlichen Spielern.

Auch die Chronik spiegelt die Jugend des Stader Schachvereins: Oft fehlt die Geduld für die nötigen Eintragungen. Aber bedauern wir nicht alle, in unserer Jugend zu wenig festgehalten zu haben?

Im richtigen Leben schließt sich die Einbindung in Normen und das Laufen in festgelegten Bahnen an. Diesen Weg geht der Stader Schachverein mit seinem Eintritt in den Deutschen Schachverband. Die Wettkämpfe werden nun organisiert, die Gegner vorgeschrieben, und auch die innere Ordnung des Vereins muss sich strecken und die Mannschaften - drei werden es im Laufe dieses Abschnittes - nach allgemeinen Regeln aufstellen.


Sogar der Erfolg wird genormt: Die Titel "Kreismeister" und "Bezirksmeister" überdecken allmählich das Engagement, gegen bestimmte Gegner zu spielen. In den entscheidenden Jahren führt Baurat Ernst Müller den Verein. Er übernimmt den Vorsitz 1963 und stirbt 1968, 45-jährig, ein Jahr vor der Vollendung des dritten Duodezenniums (1957 - 1969).


Wann der nächste Lebensabschnitt, die Etablierung einsetzt, kann auch im Individuallebenslauf selten genau bestimmt werden. Das Aufsteigen der Mannschaften hat schon vor Jahren begonnen, aber irgendwann ist der Erfolg unbestritten. Er ist das Verdienst von Herbert Teßmer, der den Stader Schachverein durch fast das ganze nächste Jahresdutzend (1969 - 1981) leitet, ihn gewichtiger in das Verbandsgeschehen einbringt und die erste Mannschaft in die Oberliga Niedersachsen-Bremen führt. Reife wirkt auf Betrachter wenig spektakulär. Wenig spektakulär wirkt auch der Stader Schachverein in den letztvergangenen zwölf Jahren. Auch der Vorsitz - mehrfach gewechselt, jetzt in den Händen von Heinrich Eggeling - arbeitet zunehmend im Stillen. Dabei floriert das Vereinsleben. Eine breite Jugendarbeit mit Kontakt zu fast allen Schulen in Stade verbannt alle Nachwuchssorgen. Wie sehr der Stader Schachverein aus dem vollen schöpft, zeigt sich bei der Aufstellung der Mannschaften: Wichtiger als die Frage der Spielstärkenordnung ist manchmal die Verteilung der Fahrer oder die Sorge, nicht zwei Mannschaften in der gleichen Klasse konkurrieren zu lassen. Der einzige, der das gereifte Wachsen des Vereins ungemildert quantitativ erfährt, ist der Spielleiter Werner Micheel, der vor jedem Wettkampf Ausfälle und Ersatzspieler von fünf oder sogar sechs Mannschaften rangieren muss.


Bei der Frage, was die Zukunft noch bringen kann, trägt der Vergleich mit dem Menschenalter nicht mehr. Anders als in der Individualentwicklung setzt im Organismus eines Vereins eine Reaktion ein, die - wie das Endspiel einer Schachpartie - viele Werte umkrempelt, neue Akzente setzt und neue Aktivitäten hervorruft. Wer hier im Zuge der Rück- und Vorschau die Messlatte anlegen möchte, wird feststellen, dass ein Endspiel nicht nur eine ganz neue Partie sein kann, sondern auch oft die Dauer des bisherigen Spiels an Zügen weit übertrifft.

Wünschen wir Entsprechendes dem Stader Schachverein!